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Subsistenzspaziergänge

2007-12-22

Von den letzten beiden Subsistenzspaziergängen berichtet der Kasseler Autor Igor Jaldelor:

Auf dem Waldhof haben wir einen Einblick in die Welt der professionellen biologisch-dynamischen Erzeugung von Pflanzensamen miterlebt. Hier sehen die Gärten anders aus, es riecht anders, ist urwüchsiger, bunter, hier sind noch echt alte Obstbäume übrig geblieben, wie es sie früher zu Tausenden in ganz Kassel gab. Die warme Trockendarre in einem Holzhaus wirkte wie aus einer guten alten Zeit. Wir durften Fallobst auflesen, wovon wir auch reichlich Gebrauch machten. Es schmeckt ganz anders! Hier versteht mensch, warum Essen aus biologischem Anbau wertvoller ist.

Zum Abschluss hatten wir dann noch unsere Ernte im Selbsternteprojekt Wiener Straße. Auch hier roch es nach naturnahem Garten, wo der Mensch seine Eingriffe auf das Notwendige beschränkt. Der Garten lebt ganz anders, wenn man nicht alles gleich ausmerzt, was die vermeintliche Ordnung stört. Karsten hat einige Wurzeln von Gemüsepflanzen einfach in der Erde gelassen, und siehe da, wir konnten ein zweites Mal ernten. In kurzer Zeit hatten wir zwei Schubkarren voll mit wertvollem Gemüse, Wirsing, Rotkohl, Rettich, Mangold und Weiterem. Die riesigen Kürbisse waren gar nicht so leicht abzutransportieren. Zum Teil haben wir noch Essen an weitere Leute in Kassel verschenkt.

Die Subsistenzspaziergänge waren eine schöne Möglichkeit, nette Leute kennen zu lernen, die die Natur lieben. Und wir haben darüber gestaunt, was so alles bei uns im urbanen Raum in Kassel wächst, auch an Orten, wo man und frau es gar nicht so vermuten.

 

 

12 x d (wie donnerstags)

Subsistenz-Spaziergänge

Ein Projekt von Dario Andreatta und Karsten Winnemuth

Wir werden an 12 Donnerstagen ( 08.03., 29.03., 19.04., 10.05., 31.05., 21.06., 12.07., 02.08., 23.08., 13.09., 04.10., 25.10.2007 jeweils ab 15 Uhr ) Spaziergänge / Expeditionen in verschiedene Gärten und Vegetationszonen anbieten, wo die Teilnehmer sowohl die Möglichkeit haben, sich der Natur kreativ-künstlerisch als auch lernend und praktisch zu nähern.

Mit dem Künstler Dario Andreatta werden gefundene Naturmaterialien z.B. in Spielzeug verwandelt oder zu Installationen gefügt, die schon den Beginn eines Abenteuergartens markieren. Botanisches Zeichnen dient dem Kennenlernen der Wildpflanzen, die zum Ende einer Exkursion im gemeinsam gemischten Salat die Gaumen kitzeln.

Der Gärtner Karsten Winnemuth vermittelt diverse Kenntnisse und Erfahrungen mit Wild-und Kulturpflanzen und jahreszeitlichen Gartenabläufen, inclusive säen, pflanzen, ernten (den guten alten fundamentalen Kulturtechniken).

Die Spaziergänge sind Forschungsreisen entlang der Grenzlinie Natur / Kultur und gleichzeitig Expeditionen zur Kunst, denn wird die Natur als Künstlerin entdeckt, erweckt sie vielleicht den Künstler in Dir.

Das Projekt versucht mit Mitteln der angewandten Promenadologie eine aktive Annährung an den Begriff "Subsistenz" und will Grundlagen der Lebensproduktion vermitteln. Was können wir aus uns selbst heraus produzieren, wie fühlt es sich an, in die selbst erzeugte Möhre zu beißen, ist eine Erfahrung des Durch-sich-selbst-Existierens wenigstens ansatzweise möglich?

Das Angebot richtet sich an Stadtmenschen mit Lust an phantasievollem Gestalten und praktischem Lernen, an Spaziergangswissenschaftler, Kassel-Entdecker, botanisch Interessierte und ausdrücklich auch an Kinder.

Ziele der Spaziergänge sind u.a. der entstehende Abenteuergarten von Dario Andeatta im Quellbachtal (Nord-Holland), der Waldhof (Wilhelmshöhe), das Selbsternte-Projekt Wiener Straße (Nordstadt) sowie eine Exkursion zur Staatsdomaine Frankenhausen.

Die an den Donnerstagen gesammelten Materialien und Erfahrungen werden künstlerisch weiter bearbeitet, gewonnene Ergebnisse und Produkte werden an zwei Ausstellungsorten-Orten (entstehende Laden-Galerie archaic-arts, Fr.-Ebert-Str. 91 und TRA.FO/Lutherplatz) präsentiert bzw. verköstigt.